{"id":358,"date":"2023-07-03T11:22:55","date_gmt":"2023-07-03T09:22:55","guid":{"rendered":"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/?p=358"},"modified":"2025-08-18T16:06:57","modified_gmt":"2025-08-18T14:06:57","slug":"judas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/judas\/","title":{"rendered":"Judas &#8211; Verr\u00e4ter oder Nicht? Die Geschichte dahinter"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/sehr-starke-gebete\/\">Gebete<\/a>, die den Namen Judas einschlie\u00dfen? Schwer vorstellbar. <a href=\"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/christliche-symbole\/\">Christliche Symbole<\/a> mit Judas als Sympathietr\u00e4ger? Maximal unrealistisch, denn der Nimbus ist negativ belegt, da der Apostel als derjenige gilt, der Jesus an die R\u00f6mer verriet. Aber stimmt das wirklich? Einige Kenner der Bibel sagen nein. Sie nehmen Judas ausdr\u00fccklich in Schutz und sehen in ihm alles andere als einen missg\u00fcnstigen Zeitgenossen.<\/p>\n<h2>Im Zweifel f\u00fcr den Angeklagten<\/h2>\n<p>Zum Kanon des katholischen Glaubens geh\u00f6rt die Annahme, dass Judas Askariot <a href=\"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/jesus\/\">Jesus Christus<\/a> verraten hat. Geschehen angeblich im Garten Gethsemane, wo Judas den Heiland zun\u00e4chst an die Hohepriester verriet, die ihn dann den R\u00f6mern \u00fcbergaben. Es folgten Gefangennahme und letztlich der Kreuzestod. Judas\u00b4 Belohnung umfasste angeblich 30 Silberm\u00fcnzen. So verk\u00fcnden es die vier Evangelien in \u00fcbereinstimmender Weise. Demnach sind Zweifel ausgeschlossen. Oder etwa nicht? Der \u00f6sterreichische Theologe Wolfgang Treitler hegt besagte Zweifel und spricht sich f\u00fcr eine Neuinterpretation der betreffenden Bibelpassagen aus. Damit nicht genug: Treitler weigert sich, Judas zum S\u00fcndenbock zu erkl\u00e4ren, sieht er in Achariot doch keinen Verr\u00e4ter, sondern vielmehr einen engen Verb\u00fcndeten von Jesus.<\/p>\n<h2>Die Wurzel des Antisemitismus<\/h2>\n<p>Zwar ist sich der katholische Geistliche sicher, in Judas eine historisch verb\u00fcrgte Figur zu erkennen, doch an einen \u00dcberzeugungst\u00e4ter mag er nicht glauben. Vielmehr gelangt Treitler zu der Einsicht, dass die betreffenden <a href=\"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wer-hat-die-bibel-geschrieben\/\">Bibelpassagen<\/a> nachtr\u00e4glich in den Gesamtkontext eingef\u00fcgt wurden. Nachtr\u00e4glich meint die Hinzuf\u00fcgung der Judas-Geschichte zu einem bereits abgeschlossenen Plot. Fragt man nach dem Grund, bemerkt der Wiener, dass die Judas-Denunzierung &#8222;gut dazugepasst&#8220; habe. Es handelte sich also um eine Zeitgeist-motivierte Tat. Mit selbiger sprach man die R\u00f6mer quasi von der Schuld am Tode Jesu frei, w\u00e4hrend den Juden der schwarze Peter zugeschoben wurde. Folglich habe man an Judas nicht zuletzt aufgrund seines Namens ein passendes Exempel statuieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Treitler sieht in Judas gar den &#8222;personifizierten Juden&#8220;. Folge war die Verdammung der j\u00fcdischen Religion und seiner Anh\u00e4nger, die zu Feinden des christlichen Glaubens erkl\u00e4rt wurden. Nicht umsonst stammt der Vorwurf, Juden seien &#8222;ein Volk von Gottesm\u00f6rdern&#8220; aus der Lehre des klerikalen Anti-Judaismus. Die im zweiten Jahrhundert formulierten Vorw\u00fcrfe gelten als die Wurzel des Antisemitismus, der bis heute seine Bl\u00fcten treibt. Schon damals brannten aufgrund falscher Anschuldigungen Synagogen und Pilgerst\u00e4tten.<\/p>\n<h2>Ein Kuss und seine Folgen<\/h2>\n<p>Auch bei einer anderen Schl\u00fcsselszene der biblischen Historie appelliert Wolfgang Treitler an die Toleranz der Lesenden und Deutenden. Es handelt sich um die Kuss-Szenerie im Garten Gethsemane. Hier k\u00fcsst Judas angeblich<a href=\"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/jesus\/\"> Jesus<\/a>, um ihn als Verr\u00e4ter zu outen. Vorausgegangen war die Festlegung des Kusses als Erkennungszeichen f\u00fcr den vermeintlichen Gottesl\u00e4sterer Jesus. Treitler zweifelt nicht am eigentlichen Kussvorgang, misst ihm aber g\u00e4nzlich andere Bedeutung zu. Demnach diente der Kuss der Ermutigung, keineswegs der Denunzierung. Jesus sollte sich darin best\u00e4tigt f\u00fchlen, als Messias aufzutreten. Genau hierf\u00fcr stand in der j\u00fcdischen Tradition der Kuss als stellvertretende Geste. Er war ein Zeichen der Ehrerbietung und Anerkennung fremder St\u00e4rke.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-206\" src=\"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/christliche-geburtstagswuensche-1024x682.jpg\" alt=\"christliche Geburtstagsw\u00fcnsche\" width=\"800\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/christliche-geburtstagswuensche-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/christliche-geburtstagswuensche-300x200.jpg 300w, https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/christliche-geburtstagswuensche-768x512.jpg 768w, https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/christliche-geburtstagswuensche.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<h2>Jedes Ende ist ein Anfang<\/h2>\n<p>Im nachgeschalteten Kreuzesleid samt Dahinscheiden Jesu sieht Wolfgang Treitler nicht in erster Linie ein trauriges Ereignis denn vielmehr den Startpunkt f\u00fcr etwas Neues. Denn jedes Ende ist ein Anfang. Treitler wei\u00df das und bescheinigt Judas, der Ausl\u00f6ser einer neuartigen Bewegung zu sein, indem er durch sein Vorgehen den Weg f\u00fcr eine Novellierung der Geschichte bereitete. Konkret h\u00e4tte es ohne das Sterben Jesu keine Auferstehung gegeben. Und ohne Auferstehung kein Osterfest &#8211; der h\u00f6chste Feiertag im christlichen Kalender. Steckt hinter der \u00dcbergabe von <a href=\"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/jesus\/\">Jesus Christus<\/a> an die R\u00f6mer gar ein g\u00f6ttlicher Plan, um den Menschen den rechten Weg zu weisen? Hat Gott seinen Sohn geopfert, um Erl\u00f6sung herbeizuf\u00fchren? Und um das B\u00f6se im Menschen zu entlarven?<\/p>\n<h2>War Judas der Arm Gottes?<\/h2>\n<p>Exakt dieser Meinung ist Walter Jens. Der Literaturhistoriker hat Judas ein ganzes Buch gewidmet (&#8222;Der Fall Judas&#8220;) und fordert darin ausdr\u00fccklich zur Seligsprechung seines Protagonisten auf. Warum? Weil man ihm zu Dank verpflichtet sei. Deshalb, weil Judas dabei behilflich war, Gottes Plan von der L\u00e4uterung der menschlichen Rasse in die Tat umzusetzen. Der Verrat sei ein \u00fcbergeordneter Befehl gewesen, eine g\u00f6ttliche F\u00fcgung und damit quasi h\u00f6here Gewalt. Gott habe einen weltlichen Helfer gebraucht, um sein Ziel in die Praxis \u00fcberf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Jener Umstand bezichtigt Judas zwar der Mitt\u00e4terschaft, aber nicht der alleinigen Verantwortung. Tats\u00e4chlich habe Judas mit seiner Aufgabe gehadert, da er Jesus freundschaftlich zugetan war.<\/p>\n<h2>Verehren statt verdammen<\/h2>\n<p>Jene Verbundenheit spielt eine wesentliche Rolle, denn Judas wurde explizit wegen seiner Verehrung des Messias als Delinquent ausgew\u00e4hlt. Der Akt besitze daher den Status einer &#8222;g\u00f6ttlichen Pr\u00fcfung&#8220;, wie Walter Jens es bereits in den 1970er-Jahren formulierte. F\u00fcr Jesus, f\u00fcr Gott und die Kirche habe Judas &#8222;eine immens wichtige Rolle gespielt&#8220;, so Jens. Das nachfolgende &#8222;Heilswerk&#8220; h\u00e4tte sich ohne die Kollaboration nicht ereignen k\u00f6nnen, denn &#8222;ohne Judas kein Kreuz, ohne das Kreuz keine Erf\u00fcllung&#8220;, formuliert Walter Jens abschlie\u00dfend. Ergo m\u00fcsse man Judas &#8222;verehren statt ihn zu verdammen&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebete, die den Namen Judas einschlie\u00dfen? Schwer vorstellbar. Christliche Symbole mit Judas als Sympathietr\u00e4ger? 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