{"id":475,"date":"2025-11-24T23:12:03","date_gmt":"2025-11-24T22:12:03","guid":{"rendered":"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/?p=475"},"modified":"2025-12-16T23:22:07","modified_gmt":"2025-12-16T22:22:07","slug":"dietrich-bonhoeffer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/dietrich-bonhoeffer\/","title":{"rendered":"Gewissen vor Gehorsam \u2013 Dietrich Bonhoeffer und der Mut des Glaubens"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-532 \" src=\"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Dietrich-Boenhoeffer.compr_.png\" alt=\"dietrich-bonhoeffer\" width=\"700\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Dietrich-Boenhoeffer.compr_.png 1024w, https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Dietrich-Boenhoeffer.compr_-300x300.png 300w, https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Dietrich-Boenhoeffer.compr_-150x150.png 150w, https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Dietrich-Boenhoeffer.compr_-768x768.png 768w, https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Dietrich-Boenhoeffer.compr_-400x400.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p>Die Frage, wie sich Christen zwischen dem Gehorsam gegen\u00fcber der Obrigkeit und ihrem Gewissen entscheiden sollen, ist nicht neu. Tats\u00e4chlich ist sie so alt wie die (christliche) Religion selbst. Doch f\u00fcr wenige war das Spannungsfeld zwischen Gehorsam, Gewissen und Glauben so bestimmend wie f\u00fcr Dietrich Bonhoeffer. Sein Beispiel inspiriert bis heute christliche Gemeinden auf der ganzen Welt.<\/p>\n<h2>Wer war Dietrich Bonhoeffer?<\/h2>\n<p>Dietrich Bonhoeffer war ein 1906 in Breslau geborener evangelischer Theologe. Er erkannte bereits fr\u00fch die durch den Nationalsozialismus drohende Gefahr\u00a0 und sich mutig gegen diese stellte. So kritisierte er bereits ab 1933 die Verfolgung der Juden im Deutschen Reich und setzte sich f\u00fcr religi\u00f6se Toleranz ein.<\/p>\n<p>Ber\u00fchmtheit erlangten dabei S\u00e4tze wie: \u201eNur wer f\u00fcr die Juden schreit, darf gregorianisch singen.\u201c<\/p>\n<p>Er nahm zudem eine f\u00fchrende Position in der Bekennenden Kirche ein. Er\u00a0 opponierte gegen die Gleichschaltung der Kirchenpolitik durch das nationalsozialistische Regime.<\/p>\n<p>Bonhoeffer war auch Teil der Widerstandsbewegung um den deutschen Admiral Wilhelm Canaris und erhielt in Deutschland zuerst Rede- und schlie\u00dflich auch Schreibverbot. 1943 kam es zu\u00a0 Bonhoeffers Verhaftung durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo) wegen seiner Verbindungen zum Widerstand. Zwei Jahre sp\u00e4ter erfolgte \u2013 auf direkten Befehl Adolf Hitlers \u2013 kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs die Hinrichtung des Theologen.<\/p>\n<h2>Gehorsam: Pflicht und Grenzen<\/h2>\n<p>Gehorsam spielt in der Bibel eine wichtige Rolle. So ruft die Heilige Schrift zur Treue gegen\u00fcber Gottes Willen und Geboten auf. Laut Bonhoeffer gibt es f\u00fcr Christen auch eine allgemeine Pflicht zum Gehorsam gegen\u00fcber Obrigkeit und Kirche. Der Begriff ist bei dem Theologen in dessen Schriften oft positiv konnotiert. Er etwa wenn schreibt: \u201eGehorsam wei\u00df, was gut ist, und tut es.\u201c<\/p>\n<p>Allerdings stellt Bonhoeffer auch klar, dass Gehorsam gegen\u00fcber Menschen nie an die Stelle des Gehorsams gegen\u00fcber Gott treten darf. Insbesondere verwirft er den als Treue missverstandenen blinden Gehorsam, wie ihn auch gro\u00dfe Teile der deutschen Kirche gegen\u00fcber dem Nationalsozialismus \u00fcbten. Stattdessen stellte er sich in die Tradition von Martin Luther.<\/p>\n<p>Dementsprechend f\u00fchrt er aus, dass bei Christen die Pflicht zum Gehorsam Grenzen hat. Diese \u201ebindet ihn solange, bis die Obrigkeit ihn direkt zum Versto\u00df gegen das g\u00f6ttliche Gebot zwingt.\u201c Dann kann der Gehorsam gegen Gott und die christliche Ethik auch den Ungehorsam gegen die Obrigkeit erzwingen.<\/p>\n<h2>Gewissen: an das Gesetz gebunden oder befreit<\/h2>\n<p>F\u00fcr Bonhoeffer nimmt das Gewissen eine h\u00f6here Position ein als das Gesetz. Um das zu begr\u00fcnden, beruft sich der Theologe auf Jesus: \u201eUm Gottes und der Menschenwillen wurde Jesus zum Durchbrecher des Gesetzes: er brach das Sabbathgesetz (sic!) um es in der Liebe zu Gott und Mensch zu heiligen.\u201c<\/p>\n<p>Dabei ist es wichtig, Bonhoeffers Gewissensbegriff n\u00e4her zu analysieren. F\u00fcr Bonhoeffer handelt es sich n\u00e4mlich nicht durchweg um einen positiven Begriff. Das wird deutlich, wenn er ausf\u00fchrt, dass es sich letztlich um ein Resultat des S\u00fcndenfalls handelt und negative Konsequenzen haben kann: \u201eDas Gewissen treibt den Menschen von Gott weg in das gesicherte Versteck. Hier in der Gottesferne spielt er dann selbst den Richter und weicht eben hierdurch dem Gericht Gottes aus.\u201c F\u00fcr den Theologen handelt es sich um ein an das (menschliche) Gesetz gebundenes Gewissen, das so per se unvollkommen sein muss.<\/p>\n<p>Ganz anders sieht es aber aus, wenn Bonhoeffer auf eine alternative, befreite Gewissensform eingeht: \u201eNicht ein Gesetz, sondern der lebendige Gott und der lebendige Mensch, wie er mir in Jesus Christus begegnet, ist Ursprung und Ziel meines Gewissens.\u201c Diese Gewissensart muss in Opposition zur nationalsozialistischen Ideologie stehen: \u201eDas befreite Gewissen ist nicht \u00e4ngstlich, wie das an das Gesetz gebundene, sondern weit ge\u00f6ffnet f\u00fcr den N\u00e4chsten und seine konkrete Not.\u201c Dementsprechend wird f\u00fcr Bonhoeffer der Protest gegen das Nazi-Regime und das Einstehen f\u00fcr Unterdr\u00fcckte zur christlichen Gewissenspflicht.<\/p>\n<h2>Gebete: Kraft, die St\u00e4rke bietet<\/h2>\n<p>Das Festhalten an seinen \u00dcberzeugungen muss Bonhoeffer viel Kraft gekostet haben. Schlie\u00dflich opponierte er nicht nur gegen die weltliche Obrigkeit, sondern auch gegen gro\u00dfe Teile der offiziellen deutschen Kirche, die sich nach der angeblich gottlosen Weimarer Republik eine Rechristianisierung der Gesellschaft erhofften<\/p>\n<p>Die daf\u00fcr notwendige Kraft schenkten dem Theologen sein Glaube und starke Gebete wie das Vater unser. Denn \u201edie Kraft des Menschen ist das Gebet\u201c, so Bonhoeffer. So war er in der Lage, Widerstand zu leisten, der sich nicht nur auf einfachen Widerspruch oder symbolische Akte beschr\u00e4nkte. Durch seine Mitarbeit in der Widerstandsbewegung ging sein Handeln auch \u00fcber einfachen zivilen Widerstand hinaus.<\/p>\n<h2>Glaube vs. Gehorsam<\/h2>\n<p>Das Spannungsfeld von Glaube und Gehorsam l\u00f6st Bonhoeffer in einem ber\u00fchmten Zitat auf: \u201eNur der Glaubende ist gehorsam, und nur der Gehorsame glaubt.\u201c Hierbei scheint es sich nur auf den ersten Blick um ein Paradox zu handeln. Hier geht es nicht um blinden Gehorsam bez\u00fcglich menschlicher Gesetze und opportunistische Glaubensbekundungen ohne wahre \u00dcberzeugung.<\/p>\n<p>Beide Aussagen geh\u00f6ren untrennbar zusammen \u2013 wie Bonhoeffer selbst betont. Zwar wird echter Glaube durch Gehorsam sichtbar. Echter Gehorsam entsteht aber umgekehrt erst durch diesen. Das bedeutet wiederum: Ohne echten Glauben ist Gehorsam nur eine leere H\u00fclle \u2013 etwa wie der Gehorsam gegen\u00fcber dem Nazi-Regime, der offensichtlich nicht mit den christlichen Werten vereinbar sein kann.<\/p>\n<p>Wer glaubt, kann laut Bonhoeffers Auffassung die Gr\u00e4ueltaten der Nationalsozialisten nicht tatenlos betrachten: \u201eGlauben hei\u00dft bedingungslos trauen und wagen.\u201c Es handelt sich hier also nicht um einen bequemen Glauben, im stillen K\u00e4mmerlein, sondern um einen mutigen. Warum mutig? Weil sich Bonhoeffer der realen Gefahr bewusst ist und sie in bester Luther-Tradition eingeht \u2013 ganz nach dem ber\u00fchmten Motto des Reformators: \u201eHier stehe ich, ich kann nicht anders.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage, wie sich Christen zwischen dem Gehorsam gegen\u00fcber der Obrigkeit und ihrem Gewissen entscheiden sollen, ist nicht neu. 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