{"id":497,"date":"2025-11-30T20:41:25","date_gmt":"2025-11-30T19:41:25","guid":{"rendered":"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/?p=497"},"modified":"2025-12-16T23:51:33","modified_gmt":"2025-12-16T22:51:33","slug":"martin-niemoeller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/martin-niemoeller\/","title":{"rendered":"Wenn Schweigen Schuld wird \u2013 Martin Niem\u00f6ller und die Verantwortung des Glaubens"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-546 \" src=\"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Martin-Niemoeller.compr_-1024x683.png\" alt=\"martin-niemoeller\" width=\"700\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Martin-Niemoeller.compr_-1024x683.png 1024w, https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Martin-Niemoeller.compr_-300x200.png 300w, https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Martin-Niemoeller.compr_-768x512.png 768w, https:\/\/christlich-verliebt.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Martin-Niemoeller.compr_.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p>Die Welt ver\u00e4ndert sich. Und das nicht immer zum Guten. So sehen wir manchmal viel Schlechtes um uns herum, nehmen es aber hin. Doch wer schweigt, macht sich mitunter schuldig an dem, was daraus folgt. Das Leben des evangelischen Pfarrers Martin Niem\u00f6ller zeigt, in welches Unheil die eigene Gleichg\u00fcltigkeit f\u00fchren kann.<\/p>\n<h2>Mitl\u00e4ufer \u2013 aber kein T\u00e4ter<\/h2>\n<p>Im Januar des Jahres 1892 wird Martin Niem\u00f6ller in eine Welt hineingeboren, die sich zunehmend radikalisiert. In Kindheit und Jugend bleibt ihm der Hass gegen\u00fcber Personen des j\u00fcdischen Glaubens nicht verborgen. Als junger Mann erlebt er als Marineoffizier den Ersten Weltkrieg. Nach der Niederlage Deutschlands folgt eine soziale Not, die viele Millionen Arbeitslose und unter stetem Hunger Leidende kennt. Die beg\u00fcnstigt so auch den Aufstieg neuer Machthaber, die daraus Kapital schlagen wollen.<\/p>\n<p>Dabei wohnt Niem\u00f6ller als Sohn eines Pfarrers in einer christlichen Gemeinde. Starke Gebete und der Glaube geben ihm gerade in jenen Jahren halt, da vieles um ihn herum aus den Fugen zu geraten scheint. Allerdings kann sich Niem\u00f6ller dem Reiz des Neuen nicht entziehen: Offen sympathisiert er vor allem in politischen Fragen mit Hitler und der hinter ihm stehenden Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, die \u2013 trotz aller negativen Ger\u00fcchte um sie \u2013 immerhin verspricht, die Menschen in Lohn und Brot zu bringen.<\/p>\n<h2>Der offene Bruch mit dem Regime<\/h2>\n<p>Allerdings \u00e4ndert sich Martin Niem\u00f6llers Meinung recht schnell, als Hitler im Januar 1933 das Amt des Reichskanzlers einnimmt. Er beginnt damit eine Politik, die sich zunehmend auch gegen die Glaubensgemeinschaften richtet. Ungest\u00f6rt mischen sich die neuen Machthaber in jene Belange ein, die die Kirche betreffen. Aggressiver wollen die Nationalsozialisten mitreden, eingrenzende Vorschriften erlassen und damit dem Christentum das Fundament entziehen.<\/p>\n<p>Als evangelischer Pfarrer mahnt Niem\u00f6ller dieses Verhalten nicht nur in seiner christlichen Gemeinde an. Doch starke Gebete und das Vater unser helfen nicht \u2013 alsbald werden erste Kollegen von ihm ihrer \u00c4mter enthoben. Unter Missachtung ihrer Menschenrechte werden einige der Betroffenen in Haft genommen und gefoltert. Eine S\u00e4uberungswelle wird damit in Gang gesetzt, der Niem\u00f6ller nicht tatenlos zusehen kann. In \u00f6ffentlichen Auftritten kritisiert er das NS-Regime immer wieder scharf und verweist auf die Trennung zwischen Staat und Kirche, die in den Anfangsjahren nach der Machtergreifung an Bedeutung verliert.<\/p>\n<h2>Der Kampf f\u00fcr die Freiheit der Kirche<\/h2>\n<p>Aufgrund der Entwicklungen in Deutschland geh\u00f6rt Martin Niem\u00f6ller im April 1934 zu den Mitbegr\u00fcndern der sogenannten Bekennenden Kirche. Sie versteht sich nicht als politische Opposition zu Hitler, sondern k\u00e4mpft f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit des Christentums. Niem\u00f6ller ist es wichtig, dass sich in den Gottesh\u00e4usern Menschen aller gesellschaftlichen Schichten aufhalten k\u00f6nnen \u2013 ungeachtet ihrer Herkunft, ihres eigentlichen Glaubens und ihrer politischen Ansichten. F\u00fcr Niem\u00f6ller waren alle Menschen gleich.<\/p>\n<p>Doch dabei kann er es nicht belassen. Vielmehr setzt er sich sp\u00e4ter ganz zum Missfallen der nationalsozialistischen Politiker \u2013 und deren Anh\u00e4nger, die bald die Mehrheit im Volke bilden \u2013 f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung ein. Dem zunehmenden verbalen S\u00e4belrasseln, den Gedanken \u00fcber Angriffe anderer Nationen und mancher Weltmachtsfantasie Hitlers stellt er sich in Reden, Schriften, Predigten und letztlich im offenen Widerstandskampf entgegen. In den damaligen Jahren ein kaum zu \u00fcberschauendes Risiko.<\/p>\n<h2>Wenn nicht l\u00e4nger geschwiegen werden kann<\/h2>\n<p>F\u00fcr Martin Niem\u00f6ller waren die Jahre der Gleichg\u00fcltigkeit und des Schweigens vorbei. Immer h\u00e4ufiger bringt er sich mit seinen Auftritten und Aussagen in Gefahr \u2013 ehe er im Jahre 1937 inhaftiert wird sowie als KZ-H\u00e4ftling in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Fr\u00fchling 1945 bleiben muss. Hier erlebt Niem\u00f6ller nicht nur Hunger, Folter und jedes nur erdenkliche psychische und physische Leid, sondern er hinterfragt sein eigenes Vorgehen auch selbst.<\/p>\n<p>\u201eAls sie die Kommunisten geholt haben, habe ich geschwiegen \u2013 denn ich war ja kein Kommunist. Als sie die Gewerkschaftler geholt haben, habe ich geschwiegen \u2013 ich war ja kein Gewerkschaftler. Auch als sie die Juden geholt haben, habe ich geschwiegen \u2013 ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es niemanden mehr, der protestieren konnte.\u201c Das Zitat von Niem\u00f6ller kann als Vorwurf an sich und als Schuldbekenntnis angesehen werden. Er wusste um seine Rolle im Nationalsozialismus und er bereute sein langes Schweigen.<\/p>\n<h2>Ein Leben f\u00fcr den Frieden<\/h2>\n<p>Nach dem politischen Zusammenbruch im Jahre 1945 \u00fcbernimmt Martin Niem\u00f6ller mehr Verantwortung denn je. So setzt er sich f\u00fcr das Gute in der Welt und f\u00fcr den Wiederaufbau im eigenen Land ein. Mehr als andere wird er als evangelischer Pfarrer zum neuen Gesicht der Kirche, die wieder an Bedeutung gewinnt \u2013 er selbst predigt dabei in mancher christlichen Gemeinde, in der er in den Jahren der NS-Diktatur nicht willkommen war.<\/p>\n<p>Aber auch international verschafft sich Niem\u00f6ller eine Stimme. So mahnt er in weltweiten Krisen wie etwa dem Vietnam-Krieg oder dem allgemeinen Konflikt zwischen Ost und West zu Frieden und Verst\u00e4ndigung. Niem\u00f6ller, der im Jahre 1984 starb und der bis zu seinem Lebensende das eigene Schweigen w\u00e4hrend der nationalsozialistischen Macht nicht ertragen konnte, sieht vor allem die Kommunikation miteinander als Schl\u00fcssel zum Erfolg \u2013 und verdammt damit die Gleichg\u00fcltigkeit als Anfang vieler S\u00fcnden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt ver\u00e4ndert sich. Und das nicht immer zum Guten. So sehen wir manchmal viel Schlechtes um uns herum, nehmen es aber hin. 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