Franz von Assisi – mehr als nur eine Inspiration für den starken Glauben
Die Welt scheint sich stetig schneller zu drehen. Das Gefälle zwischen Wohlstand und Armut wird immer stärker erkennbar. Moderne Nachhaltigkeitsdebatten sollen einen Beitrag zum Umweltschutz leisten – und das Zeitalter der Verschwendung nimmt zunehmend groteske Ausmaße an. Grund genug, sich wieder auf Franz von Assisi zu besinnen, der ein erfülltes Leben vor allem in der Armut fand.
Er hatte alles – und verzichtete darauf
Franziskus wurde im Jahre 1181 in der italienischen Stadt Assisi geboren. Ein Leben lag da vor ihm, das zu jener Zeit nur wenigen vergönnt war: Als Sohn eines reichen Händlers für Teppiche und Stoffe wurde bei Schule und Ausbildung nicht gespart. Doch sein Weg war damit auch vorgezeichnet. Bald schon sollte er in das Geschäft seines Vaters einsteigen und dessen florierenden Handel noch einmal ausbauen.
Das Schicksal meinte es indes anders: Im Alter von 19 Jahren zog Franziskus in den Krieg zwischen Perugia und Assisi. Dort sah er Gräueltaten. Er lernte jede Form des menschlichen Schreckens kennen. Franz von Assisi wurde zum Zeugen einer Armut in der Gesellschaft, wie er sie zuvor nie erlebt hatte.
Diesen Erfahrungen folgte so etwas wie die Erweckung seines Glaubens. Eine innere Stimme, die er für Gott hielt, bat ihn, eine zerstörte Kirche für die christliche Gemeinde aufzubauen. Das tat er – und erfuhr reines Glück.
Ein Leben in freiwilliger Armut
Franziskus begriff schnell, dass er in seinem bisherigen Leben nichts vollbracht hatte, das ihn stolz oder sogar glücklich machte. Vielmehr erkannte er, dass er eine echte geistige Befriedigung nur dort empfand, wo er auf Reichtum, Ansehen und Macht verzichtete. Er spürte, dass er Gott am deutlichsten wahrnehmen konnte, wenn ihm irdische Vorzüge fehlten. Fortan widmete er sein Leben jenen, die aufgrund von Armut, Krankheit und ähnlichen Schicksalen seine Hilfe besonders dringend benötigten.
Sobald der Frieden eintrat, vollzog sich aber auch in der Gesellschaft selbst ein Wandel. Das gerade angebrochene 13. Jahrhundert war davon gekennzeichnet, dass sich das Leben der Menschen immer mehr von den ländlichen Gebieten auf die Städte konzentrierte. Nicht jedermann war aber in der Lage, seinen Bauernhof für ein stilvoll gemauertes Haus aufzugeben. Die sozialen Unterschiede nahmen dramatische Ausmaße an, der Einsatz von Franziskus und seinen Mitstreitern wurde überall in der Region benötigt.
Der Bruch mit dem Vater
Eigentlich kam Franziskus unter dem Namen Giovanni Battista Bernardone zur Welt. Je mehr er sich aber den starken Gebeten und dem Glauben hingab, desto leichter fiel es ihm, auf seine irdischen Annehmlichkeiten zu verzichten.
Ganz zum Unmut seines Vaters, der sich den Werdegang des eigenen Sohnes natürlich anders vorgestellt hatte. Doch Giovanni nahm den Namen Franz von Assisi an, ging als Wanderprediger durch das Land, versuchte aber ebenso in der Ferne – so etwa in Ägypten –, seinen Einfluss für einen Frieden geltend zu machen.
Das Vater unser betete er täglich. Ihm folgte im Laufe der Monate und Jahre die Aufgabe all seiner Besitztümer, die er christlichen Gemeinden, in Armut lebenden Familien oder gänzlich unterversorgten Krankenhäusern spendete.
Je mehr er gab, desto glücklicher und freier fühlte er sich. Erst in der Abkehr von Geld und sonstigen Gütern erkannte er ein gotteswürdiges Leben, das nicht im Egoismus und der Isolation von den Mitmenschen endet.
Die Verbindung von Glaube und Natur
Es waren jedoch nicht allein die Menschen, denen sich Franziskus widmete. Denn er sah alle Lebewesen als göttliche Geschöpfe an. So setzte er sich für das Wohl der Tiere ein, indem er eine völlige Hinwendung zur Friedfertigkeit predigte: Das Schlachten – sowie allgemein jenes Töten eines Tieres – sollte nur dann erfolgen, wenn es dazu keine Alternative mehr gab. Ein relativ radikaler Ansatz des Denkens, der im frühen 13. Jahrhundert noch nicht viele Nachahmer fand.
Aus heutiger Sicht wird Franz von Assisi zudem häufig mit einem Lebensstil in Verbindung gebracht, bei dem die Schlagworte der Nachhaltigkeit oder des Minimalismus zutreffend erscheinen. Denn er verzichtete zuweilen selbst auf das sprichwörtliche letzte Hemd am Leib, sofern er damit einer anderen Person helfen konnte. Was er benötigte, bezog er zu großen Teilen aus der Natur, die zu wahren und zu beschützen er sich gleichfalls zur Aufgabe machte.
Von Katholiken und Protestanten verehrt
Sicherlich wurde Franziskus zu seinen Lebzeiten aufgrund seiner Ansichten und Forderungen belächelt. Als er am 3. Oktober 1226 verstarb, folgte dem Trauerzug bei der Überführung seiner Gebeine hin zur Basilika San Francesco aber eine überraschend große Menschenmenge.
Vielen von ihnen hatte er nicht nur in den Zeiten schlimmster Not mit Rat und Tat ausgeholfen, sondern er war ihnen auch eine Quelle der Inspiration und des Glaubens.
Gerade in den heutigen Zeiten lohnt es sich also, sich wieder auf Franz von Assisi zu besinnen, der nicht die weltlichen Güter als den echten Reichtum ansieht – sondern ein Dasein, das auch mit wenigem auskommt und das gerne bereit ist, das eigene Hab und Gut mit anderen Menschen zu teilen.
Mehr noch, ein Leben in der Verbindung von Glaube und Natur, das sich den Schutz aller göttlichen Geschöpfe zum Ziel setzt – und das somit jegliche Maßlosigkeit beendet.